Werkauswahl

Im Projekt OPERA wurden insgesamt neun musikdramatische Kompositionen aus verschiedenen Epochen, unterschiedlichen Gattungen und Musiktheaterkulturen ediert. Entscheidendes Kriterium bei der Auswahl der zu edierenden Werke war neben der musikgeschichtlichen Bedeutung die mit dem jeweiligen Werk verbundene editorische Problemstellung. Dieser Fragestellung entsprechend wurden die Werke in Module gefasst, deren Titel die leitenden Kategorien für die Edition darstellten.

Eigentext und Fremdtext

Dieses Modul fokussiert unter verschiedenen Perspektiven das Problem der Autorschaft, das sich sowohl beim Vorhandensein mehrerer Autoren in Form eines Pasticcios als auch bei der Integration von Fremdtexten in Gestalt der Parodie stellt. Ediert wurden:

das Metamelodramma Prima la musica e poi le parole (1786) von Giambattista Casti und Antonio Salieri;

die englische Ballad opera Love in a Village (1762) von Isaac Bickerstaff und Edward Toms (Arr.);

die französische Opéra comique Annette et Lubin (1762) von Marie-Justine-Benoîte Favart und Adolphe Benoît Blaise.

Transfer und Transformation

Dieses Modul wird durch ein exemplarisches Werk repräsentiert, das einem gattungsspezifischen Transfer (Singspiel / Rezitativoper) unterworfen war oder dessen Originalgestalt durch die spätere Rezeption gleichsam überlagert wurde. Editorisch sind solche Kompositionen vor allem deshalb relevant, weil ihr Transfercharakter kaum hinlänglich verbal im Kritischen Bericht darstellbar ist, sondern sich ganz konkret in der Edition niederschlagen muss. Im vorliegenden Fall kommt ein lingualer Transfer hinzu (Italienisch-Deutsch), den es zu berücksichtigen galt. Ediert wurde:

die Singspiel- und Rezitativfassung von Faust (1816/1852) von Carl Bernard und Louis Spohr.

Aufführungspraxis und Interpretation

Dieses Modul tangiert Werke, welchen das breite Problemfeld der Interpretation unter ganz unterschiedlichen Gesichtspunkten inhärent ist. Es betrifft vor allem die Rückkoppelung von Interpreten in die endgültige Textgestalt des Werks, sei es in Form von zusätzlichen Arien oder in Gestalt textlicher Interpolationen. Bei der Operette war auch das Zensurlibretto sowie das Regiebuch für die Textkonstitution der Edition von Bedeutung. Ediert wurden:

das Dramma per musica Henrico Leone (1689) von Bartolomeo Ortensio Mauro und Agostino Steffani;

die Operette Der Vogelhändler (1891) von Moritz West, Ludwig Held und Carl Zeller.

Sprechen und Singen

Dieses Modul hat die exemplarische Edition eines Melodrams zum Gegenstand, einer besonderen Gattung im Musiktheater des 18. Jahrhunderts. Vor dem Hintergrund, dass Gesang gleichsam die Leitkategorie der Oper darstellt, stellten sich hier vor allem Fragen der editorischen Umsetzung von gesprochenem Text in einem Koordinatensystem traditioneller Musiknotation. Ediert wurde:

das Melodram Medea von Friedrich Wilhelm Gotter und Georg Anton Benda in der Mannheimer Fassung (1784).

Mediale Erweiterung

Die Erweiterung musiktheatraler Genres durch die Einbettung in neue Kontexte hat die medialen Konstellationen von Musik verändert. Dies betrifft die Schauspielmusik ebenso wie das Handlungsballett oder die spätere Filmmusik. Bei den beiden Werken dieses Moduls treffen unterschiedliche mediale Kontexte auf jeweils spezifische Weise aufeinander, was mit besonderen Herausforderungen an eine kritische Edition verbunden war. Ediert wurden:

die Schauspielmusik Ouverture, Entreacte, Chöre und Lieder zu Goethes „Faust“ (1832) von Carl Seydelmann und Peter von Lindpaintner;

die romantische Ballett-Pantomime Giselle ou Les Wilis (1841) von Jules-Henri Vernoy de Saint-Georges, Jean Coralli und Adolphe Adam.